Das bewegte Web
In den ungefähr 20 Jahren, die es das World Wide Web gibt, hat es sich im Grunde immer in Bewegung befunden. Kaum hatten die ersten Browser das Licht des Web erblickt und zeigten reinen Text mit ein paar Links, fügten die Entwickler Bilder und Formulare hinzu, wenig später Tabellen. Unsäglichkeiten wie die HTML-Elemente blink und marquee seien hier verschwiegen.
Schon früh kamen die Mitglieder des World Wide Web Consortium (W3C) auf die Idee, den Inhalt der Dokumente von Anweisungen zu ihrer Präsentation zu trennen. Kurz vor Weihnachten 1996 verabschiedete das Konsortium die erste Fassung der Cascading Stylesheets. Gut gemeint, aber was die Browserhersteller daraus machten, verhieß nichts Gutes. Webdesigner mussten viel Arbeit investieren, um alle Viewer zu „bedienen“.
Viel später nahmen ein paar der Hersteller das Heft in die Hand, indem sie sich in der Web Hypertext Application Technology Working Group (WHATWG) zusammenfanden, um die nächste Generation der Hypertext Markup Language (HTML) ohne den Segen des W3C zu forcieren. Und schließlich lenkte das Konsortium ein: Es beendete seine Arbeit an einem XHTML-Nachfolger und übernahm das von der WHATWG Erreichte als Entwurf für HTML5. Mittlerweile liegen viele Working Drafts für einzelne Aspekte dieser Auszeichnungssprache vor. Sie decken so Unterschiedliches ab wie neue Elemente (von nav bis canvas), erweiterte Formulare, Multimedia-Integration, Datenbanken im Browser und Threads in JavaScript.
Gleichzeitig befinden sich etliche Entwürfe für Module der CSS3 in Arbeit, weniges kann als abgeschlossen gelten. Aber vieles können Webdesigner schon ausprobieren, weil die Browserhersteller vieles früh implementiert haben. Und in anderen Fällen ist absehbar, dass dieser Status bald erreicht sein dürfte. Es könnten tatsächlich demnächst Zeiten beginnen, in denen Webdesigner nicht mehr ständig überlegen müssen, wie sie welchen Browser berücksichtigen.
Stattdessen sinnieren sie vielleicht, wie sie die dritte Dimension auf Smartphones hinbekommen können oder Webseiten für solche Geräte so aufbereiten, dass sie dort gut aussehen.
Offenkundig gibt es für Webautoren und -designer nach wie vor einiges zu tun, und sie müssen wie immer auf dem Laufenden bleiben. Dieses Sonderheft der iX soll dabei helfen, neuere Webtechniken nachvollziehen zu können, früh zu sehen, was man demnächst zumindest ausprobieren und auf den diversen Viewern prüfen sollte. Kurz: nicht hinter dem State of the Art zurückzubleiben.
HENNING BEHME