Variantenreich
Keine IT ohne Storage. Damit wäre alles gesagt. Doch so einfach ist das nicht mit dem Ablegen der Daten, dem inzwischen wichtigsten Gut moderner Geschäfts- und Organisationsprozesse. Die erste Frage lautet: Wohin? Unterschiedliche Medien für unterschiedliche Anforderungen existieren nebeneinander, auch wenn zumindest in kleineren Umgebungen Festplatten als das Allheilmittel galten. Erst die Solid State Disks kratzten an diesem Mythos.
Auch Systeme gibt es viele, von externen Festplatten-Chassis bis zu sich – fast – selbst verwaltenden „Super“-Systemen im PByte-Bereich. Hinzu kommen Spezialsysteme für Backup, Archivierung, Online-, Nearline- oder Offline-Lagerung.
Ein Ausfall von Medien und Speichersystemen kann ausgesprochen teuer werden – die Folgen des Datenverlusts und die Betriebsunterbrechung mit eingerechnet. Aus dieser Perspektive betrachtet, muss man Speichermedien in zwei Arten unterteilen: solche, die kaputt gehen, und solche, die schon kaputt sind. Dann wird auch deutlich, warum Festplatten zum Verbrauchsmaterial zählen und im laufenden Betrieb austauschbar sein sollten. Außerdem gehören Daten redundant gespeichert, sodass der Ausfall einzelner Platten keinen Totalverlust nach sich zieht, und regelmäßig gesichert für den Fall, dass ein ganzes Speichersystem versagt.
Zu viel Redundanz ist aber auch nicht gut, vor allem, wenn sie durch eine unorganisierte Datenhaltung zustande kommt. Hier haben Administratoren oft den geringsten Spielraum, denn meist sorgen die Anwender selbst für das Daten- und Versions-Chaos – und haben es sich darin über Jahre gemütlich gemacht. Anbieter im Storage-Umfeld haben darauf ausschließlich technische Antworten parat: Deduplizierung etwa, wenn es die x-te Fassung einer Rundmail oder eines Dokuments zu sichern oder zu archivieren gilt. Hierarchische Speicherverwaltung oder Thin Provisioning gehören ebenfalls hierher. Beide setzen aber voraus, dass die Benutzer die Daten an dem dafür vorgesehenen Ort ablegen – einfacher ist das natürlich bei den Daten zentraler Anwendungen wie Datenbanken, Groupware- oder Content-Management-Systeme.
Viel hängt auch davon ab, wie schnell und zuverlässig die Daten ihr Ziel erreichen, ob eine Anwendung sie nun anfordert oder in ihrer neuen Heimstatt abliefert. Nicht umsonst spielen Schnittstellen und Verbindungstechniken eine große Rolle bei der Auswahl von Systemen und Komponenten – und das in mehrfacher Weise. Da wäre erstens die Geschwindigkeit: Zu ihr gehören auch eine möglichst geringe Latenz und ein kleiner Overhead der benutzten Protokolle, vielleicht sogar die Verteilung auf mehrere Datenpfade oder Leitungen, die sich auf den „Hauptstraßen“ zwischen den Switches oder bei hohem Verkehrsaufkommen, etwa beim Einsatz virtueller Server, durchaus empfehlen kann. Das würde zweitens der Zuverlässigkeit zugutekommen. Allerdings kann es das Netz derart verkomplizieren, dass es die Fehlersuche ebenso erschwert wie die Ursachenforschung bei Datenstaus und Behinderungen.
Dieses Heft beleuchtet all diese Aspekte und noch mehr aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, zumal auch die Autoren unterschiedliche Tätigkeitsfelder haben und täglich mit unterschiedlichen Umgebungen in Berührung kommen: Entwickler, Consultants, Administratoren, um nur einige zu nennen. Abschließend will ein Glossar am Ende des Hefts vor allem Neulinge der Storage- und Speichernetz-Verwaltung davor bewahren, sich im Dschungel der Fachbegriffe und Abkürzungen zu verirren.
Susanne Nolte